Startseite | Impressum | Sitemap | Kontakt   

Freiwillige Feuerwehr Grimma

Standort Aktiver Dienst Einsätze Gerätehaus Unsere Technik Alters- und Ehrenabteilung Ortswehren Historie Hinweise Sonstiges Download Links Für Kinder Formulare
Notrufe Rauchmelder Feuerlöscher Autobrand - Explosionsgefahr? Erdgasinformation Der Schornstein brennt Rettungsgasse Eis und Schnee Hydranten Gefahren im Herbst Weihnachtszeit Weihnachtsbaum Lagerfeuer Hinweise zum Grillen Verhalten in Wäldern Sturm und Regen Sommergewitter Backdraft Flash-Over

Definition und Entstehung

Flash-Over (Rauchdurchzündung)

1. Brandausbreitung

In den Kapiteln 1.1 bis 1.4 wurde beschrieben, wie eine Rauchschicht größer wird, wenn sie nicht schneller aus dem Brandraum entweichen kann, wie der Rauch erzeugt wird. So lange wie unverbranntes Material im Brandraum vorhanden ist, wird die Situation im Brandraum nicht lange stabil bleiben. Zu Beginn wird die Flamme des Brandherdes den Deckenbereich nicht erreichen, sondern lediglich die unmittelbare Umgebung des Brandherdes durch die auftretende Strahlungswärme in Brand setzen. Dennoch wird das Feuer größer werden und die Temperatur im Brandraum ansteigen. Dabei wird die Energiefreisetzung des Brandherdes ebenfalls ansteigen.
Die Flammengröße wird ansteigen bis sie die Decke erreicht. Die Flammen werden nun anfangen, sich innerhalb der heißen Rauchgaszone im Brandraum auszubreiten. Flammen werden sowohl im Deckenbereich über dem Brandherd als auch zwischen der heißen Rauchgasschicht und der noch verbleibenden Luftschicht in der Umgebung des Brandherdes zu sehen sein.
Haben die Flammen einmal begonnen, sich im Grenzbereich der Luftschichten auszubreiten, wird die Strahlungswärme ausgehend von den heißen Verbrennungsprodukten schnell ansteigen. Die anderen brennbaren Materialen im Brandraum werden sich nun sehr schnell erwärmen. Sie werden jetzt nicht mehr nur vom Brandherd von der Seite her erwärmt, sondern auch von oben, wo die Flammen und heißen Verbrennungsgase abhängig von der Höhe der Grenzschicht sehr viel näher an die brennbaren Materialien heranreichen.
In großen Brandräumen mit hohen Decken können sich die Flammen im Deckenbereich ausbreiten, ohne den brennbaren Materialien am Boden nahe genug zu kommen um eine Ausgasung zu erzeugen.
Jedoch können sich die erwärmten Rauchschichten in größerer Entfernung vom Brandherd allmählich wieder absenken und immer noch ausreichend Energie aufbringen, um brennbare Materialien ausgasen zu lassen. Werden diese gezündet, kann dies zu einem Abschneiden des Rückzugweges für angreifende Trupps führen.
Wenn sich die heiße Rauchschicht absenkt und insbesondere wenn die Decke sehr niedrig ist, werden sämtliche Materialien im Raum derart erwärmt, dass sie nun selbständig brennbare Gase freisetzen. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sich das Feuer schlagartig ausbreitet, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Je kleiner der Brandraum ist, umso schneller sind diese Randbedingungen erreicht.
Sobald die Mehrzahl der Einrichtungsgegenstände thermisch aufbereitet ist, ist der Übergang vom lokal begrenzten Brand zum Vollbrand innerhalb von wenigen Sekunden möglich - ein Flash-Over hat stattgefunden

2. Definition eines Flash-Over

Ein Flash-Over ist der schlagartige Übergang eines Entstehungsbrandes zu einem vollentwickelten Brand, in dem die durch Wärmestrahlung und Konvektion im gesamten Raum gebildeten Pyrolyseprodukte innerhalb von wenigen Sekunden durchzünden.
Gemäß dieser Definition kann man erkennen, dass ein Backdraft eine Sonderform eines Flash-Overs darstellt. Resultiert ein Backdraft in einem Vollbrand des gesamten Raumes, hat ein Flash-Over stattgefunden.
Trotzdem ist es notwendig, beide Vorgänge zu trennen, da die Auswirkungen für die Einsatzkräfte sehr unterschiedlich sein können.

3. Anzeichen eines Flash-Over

Die wichtigste Voraussetzung für einen Flash-Over ist, dass ausreichend Strahlungswärme von oben vorhanden ist. Dies wird von den Einsatzkräften durch eine schlagartige Temperaturzunahme im Brandraum und durch die Wärme der Rauchgase, die sich im Deckenbereich angesammelt haben, wahrgenommen. Wenn die Einsatzkräfte nach oben schauen, werden sie Flammenzungen in der Gasschicht sehen. Außerdem werden andere Einrichtungsgegenstände im Brandraum sichtbaren Rauch und brennbare Gase freisetzen.

4. Maßnahmen der Einsatzkräfte

Da der Hauptgrund für die Entstehung eines Flash-Over die Strahlungswärme der heißen Gase und Flammen über den Einsatzkräften ist, besteht die logische Lösung darin, diesen Bereich abzukühlen. Dies wird die Strahlungswärme und die Flammenzungen reduzieren. Der Effekt ist besonders wirkungsvoll, wenn kurze Sprühstöße an die Decke gegeben werden. Wird zuviel Wasser in die Rauchgase gesprüht, entstehen große Mengen Wasserdampf. Diese drücken die Rauchschicht nach unten und die Sichtbehinderung wird größer.
Unter diesen Umständen ist es also am effektivsten, kurze Sprühstöße in die heißen Rauchgase zu geben, die Wirkung zu beobachten und damit aufzuhören, wenn genügend Wasserdampf im Raum vorhanden ist.
Ist die Gefahr eines Flash-Over beseitigt, hängen die nächsten Schritte davon ab, ob der Brand gelöscht werden kann, bevor die Flash-Over Bedingungen erneut erreicht werden. Wenn das erneute Erreichen dieser Bedingungen wahrscheinlich ist, ist es notwendig, den Brandraum schnellstmöglichst zu lüften.
Wenn die heißen Rauchgase schneller reduziert werden, als sie nachgeliefert werden können, wird auch die Gefahr eines Flash-Over vermindert. Rauchabzugsöffnungen sind genau dafür konzipiert. Jedoch ist es wichtig, das die richtigen Abzugsöffnungen geöffnet werden. Je weiter entfernt sich die Abzugsöffnungen vom Brandherd befinden, umso weiter müssen die heißen Rauchschichten wandern und umso größer ist die Gefahr einer Brandausbreitung in andere Bereiche.
Gibt es keine maschinellen Rauchabzugsöffnungen, müssen die Einsatzkräfte Öffnungen von Hand schaffen. Man sollte aber daran denken, dass eine falsche Belüftung in einer Brandausbreitung resultieren kann, da heiße Rauchgase in Bereiche gelangen können, in die sie ohne Belüftung nicht oder aber erst viel später gelangt wären.

5. Bewusstsein der Einsatzkräfte

Einsatzleiter tragen die Verantwortung für die Entscheidung, ob Trupps im Innenangriff vorgehen sollen. Sie müssen sich der Gefahr eines Flash-Over oder Backdraft bewusst sein und dort, wo mit der Gefahr zu rechnen ist, das Gebäude ständig beobachten und auf Anzeichen achten. Die Trupps müssen außerdem über die Anzeichen informiert werden.
Von dem Moment des Betretens eines Gebäudes müssen die Einsatzkräfte an die mögliche Gefahr eines Flash-Overs oder Backdrafts denken. Sie müssen stehen bleiben, schauen und denken bevor sie eine Tür innerhalb eines Gebäudes öffnen.