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Definition und Entstehung

Backdraft (Raumexplosion)

1. Verringerung der Sauerstoffzufuhr zum Feuer

Normalerweise nimmt die Menge heißer Rauchgase, die von einem Brandherd ausgeht rasch zu. Aufgrund der um den Brandherd entstehenden Thermik wird weiter Luft zum Brandherd gefördert. Wenn eine ausreichende Sauerstoffversorgung vorhanden ist, wird das Feuer solange weiterbrennen, wie brennbares Material vorhanden ist.

Wird die Sauerstoffversorgung im Brandraum eingeschränkt, so wird der Luftsauerstoff schneller verbraucht als er durch die verbliebenen Öffnungen nachgeliefert werden kann. Die Sauerstoffkonzentration im Brandraum nimmt ab. Die Temperatur im Brandraum steigt unter Umständen weiterhin an.

Wenn die Sauerstoffkonzentration im Brandraum abnimmt, werden die Flammen kleiner . Dies muss aber nicht zwangsläufig zu einer Abnahme der Produktion brennbarer Gase führen. Obwohl die vom Brandherd ausgehende Strahlungswärme abgenommen hat, ist der Brandraum noch immer sehr heiß und bislang ist nichts passiert, was die brennbaren Materialien hätte abkühlen können. Noch immer können kleine Flammen vorhanden sein oder aber sie sind vollkommen gelöscht. Abhängig von der relativen Größe des Feuers und des Brandraumes haben sich zu diesem Zeitpunkt ausreichend brennbare Gase gebildet und im Brandraum verteilt. Dieser Umstand erfordert nun nur noch eine neue Sauerstoffquelle, zum Beispiel durch das Öffnen einer Tür, um ein explosibles Gemisch mit möglicherweise tödlichem Ausgang zu erzeugen - ein Backdraft

2. Definition eines Backdraft

Eine eingeschränkte Belüftung eines Brandraumes kann zu einem Brand führen, bei dem große Mengen an Verbrennungsprodukten und unverbrannten Pyrolyseprodukten entstehen. Wenn diese in ausreichender Menge vorhanden sind, kann das Schaffen einer Zugangsöffnung zu einer plötzlichen Durchzündung führen. Diese Durchzündung, die sich durch den Brandraum bewegt und aus der Öffnung herausschlägt nennt man Backdraft.

3. Mögliche Backdraft Szenarien

Es gibt mindestens drei Backdraft-Szenarien, mit denen der Feuerwehrmann rechnen muss.

1.
Wenn das Feuer in einem Brandraum beim Öffnen einer Tür noch brennt und insbesondere die Rauchgase nicht aus dem Brandraum austreten können, kann es zum Vermischen der eintretenden Frischluft mit den brennbaren Gasen und damit zur Bildung eines explosiblen Gemisches kommen.
Wenn die Gase im Brandraum heiß genug sind, werden sie sich im Türbereich selbst entzünden und die Flammen werden im Luftstrom in den Brandraum zurückschlagen. Dies könnte zu einer raschen Brandausbreitung führen aber nicht zwangsläufig zu einem Backdraft.
Sind die Rauchgase nicht so heiß, wird eine Zündung nur dann stattfinden, wenn ausreichend Sauerstoff die das Feuer unmittelbar umgebenden Rauchgase erreicht. Die Flamme wird dann durch den Brandraum in Richtung Türöffnung ziehen und in einer aus der Türöffnung herausschlagenden Flamme resultieren, die von den sich hinter ihr ausdehnenden Gase gesteuert wird. Es ist nicht leicht vorherzusagen, ob eine solche Stichflamme entsteht und wie lange sie anhalten wird, wenn die Tür einmal geöffnet wurde. Dies hängt davon ab, wo sich das Feuer innerhalb des Brandraumes befindet, von dem durch die Tür eintretenden Luftstrom und ob die heißen Gase aus der Türöffnung austreten können, ohne sich mit der einströmenden Luft zu vermischen.

2.
Eine noch gefährlichere Situation kann entstehen, wenn das Feuer im Brandraum fast ausgegangen ist. Wenn die Tür geöffnet wird, strömt die Luft ein und ein explosibles Gemisch könnte entstehen. Zunächst erfolgt keine Durchzündung, weil momentan keine unmittelbare Zündquelle vorhanden ist. Betreten die Feuerwehrleute nun den Brandraum, können deren Aktivitäten - zum Beispiel Nachlöschmaßnahmen, Suchen von Brandnestern - eine Zündquelle freilegen, die einen verzögerten Backdraft auslöst, wobei sich die Feuerwehrleute nun im Brandraum befinden und von Flammen umgeben sind.
Dies kann auch dann noch passieren, wenn das Feuer gelöscht zu sein scheint und sich der Brandraum bereits abgekühlt hat. Verbleiben brennbare Gase im Brandraum, können diese jederzeit gezündet werden. Man spricht dann von einer Durchzündung kalter Rauchgase.

3.
Die Situation kann noch komplizierter werden, wenn große Mengen brennbarer Gase aus dem Brandraum in umliegende Gebäudeteile austreten. Bereiche außerhalb des eigentlichen Brandraumes können dann explosible Atmosphären enthalten, die auf eine Zündung warten. Am gefährdetsten ist der Bereich unmittelbar um den Brandraum herum, nämlich genau dort, wo die Feuerwehrleute vor dem Öffnen einer Tür warten. Wird die Tür dann geöffnet, kann sich ein entstehender Backdraft aus dem Brandraum heraus in andere Gebäudeteile ausbreiten. Es ist sogar möglich, einen Backdraft in anderen Gebäudeteilen zu erzeugen, ohne dass es im Brandraum selbst zur Durchzündung gekommen ist. Brennbare Gase außerhalb des Brandraumes könnten zum Beispiel durch Funkenflug gezündet werden oder wenn sich die austretenden heißen Rauchgase im Türbereich selbst entzünden.

4. Anzeichen eines Backdraft

Der erste Hinweis auf einen zu erwartenden Backdraft ist die Geschichte des Feuers: Hatte das Feuer eine ausreichende Vorbrenndauer, genügend Rauch erzeugt, der nun aus dem Gebäude drückt und ist das Feuer von außen nicht sichtbar, so ist es wahrscheinlich, dass das Feuer aufgrund von Sauerstoffmangel ausgegangen ist.

Schaut man sich das Gebäude von außen an, sind die betroffenen Fenster des Brandraumes rußgeschwärzt und von außen sind keine Flammen sichtbar. Selbst wenn ein Teil eines Fenstern zerbrochen ist, ist es möglich, dass diese Öffnung nicht genügend Sauerstoff für das Feuer liefert. In diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass Rauch aus dieser Fensteröffnung pulsierend austritt. Frischluft wird in den Brandraum gesogen, wenn das Feuer kleiner wird und sich die heißen Rauchgase durch die Abkühlung zusammenziehen. Dies erzeugt lokal begrenzte zündfähige Gemische und abbrennen, sogenannte Mini - Backdrafts . Die daraus resultierende Ausdehnung der heißen Rauchgase drückt Rauch aus dem Brandraum heraus. Dieser Kreislauf wiederholt sich mit einer Frequenz, die von der Größe der Öffnung und der Lage des Feuers abhängt.

Befindet sich unter der Tür zum Brandraum ein Spalt, könnte dort ebenfalls pulsierender Rauch mit diesem Mini - Backdraft Effekt austreten. Es könnte außerdem ein pfeifendes Geräusch zu hören sein, wenn Luft durch kleine Öffnungen um die Tür herum in den Brandraum eingesogen wird, die aber schwer zu hören sind. Diese könnte außerdem außen heiß sein. Insbesondere könnte der Türgriff heiß sein, wenn es eine metallische Verbindung zur Türklinke im Inneren des Brandraumes gibt.
Konnte der Brandraum lange genug abkühlen, wird keine Luft mehr in den Brandraum gesogen und der pulsierend austretende Rauch wird ebenfalls nicht mehr vorhanden sein. Wurde der Brandraum aber noch nicht belüftet und es befinden sich noch immer brennbare Gase im Brandraum, ist ein Backdraft immer noch möglich.
Wurde die Entscheidung getroffen,. die Tür zu öffnen, könnte ein starkes Einsaugen von Luft zu spüren sein, sobald die Tür zur Hälfte geöffnet wurde. Dieser Effekt zeigt uns entweder, dass Sauerstoffmangel vorhanden ist oder aber der Brandraum sehr viel heißer war und bereits begonnen hat abzukühlen. Kleine Flammen können auftreten, wenn sich die Rauchgase und die frische Luft vermischen. Dies zeigt uns, dass im Brandraum Rauchgase vorhanden sind, die heiß genug sind, um sich bei der Vermischung mit Luft selbst zu entzünden. In dieser Phase ist es immer noch möglich, die Tür wieder zu schließen, bevor genügend Sauerstoff in den Brandraum eindringen konnte, um einen Backdraft auszulösen.

5. Maßnahmen der Einsatzkräfte

Ist die Tür zu einem Brandraum mit Sauerstoffmangel einmal geöffnet und Frischluft in den Brandraum eingedrungen, kann nur noch wenig gegen die Entstehung eines Backdraft unternommen werden. Besser ist, die geeigneten Entscheidungen zu treffen, bevor die Tür geöffnet wird.
Stehen Einsatzkräfte vor einer verschlossenen Tür und wissen nicht, was sie dahinter erwartet, sollten sie alle oben beschriebenen Anzeichen überprüfen und Wasser am Strahlrohr haben, bevor die Tür geöffnet wird. Haben sich vor dem Brandraum bereits Rauchgase angesammelt, kann die Gefahr eines Backdraft durch besprühen dieser Gase vor dem Öffnen des Brandraumes reduziert werden. Die Einsatzkräfte sollten darauf gefasst sein, die Tür schnell zu schließen, sollte ein Backdraft entstehen. Diese Maßnahme wird den Backdraft nicht mehr verhindern, kann aber die austretende Flamme von den Einsatzkräften weglenken.
Rechnen die Einsatzkräfte beim Öffnen der Tür mit einem Backdraft, muss das Öffnen der Tür sorgfältig überlegt sein. So lange wie die Tür zum Brandraum verschlossen ist, haben die Einsatzkräfte Zeit, über ihre Handlungen nachzudenken. Ist die Tür einmal geöffnet, können sie nur noch auf das reagieren, was passieren wird. Wenngleich die Entscheidung über den Zeitpunkt des Öffnens einer Tür bei den Einsatzkräften vor Ort liegt, liegt die letztendliche Entscheidung ob eine Tür geöffnet wird oder nicht beim Einsatzleiter.
Der Brandraum muss ständig beobachtet werden. Die Erstmaßnahme besteht dann darin, den Brandraum für ein Betreten durch die Einsatzkräfte sicher zu machen. Wie bereits beschrieben, kann ein Backdraft nur dann entstehen, wenn Frischluft in den Brandraum eindringen kann. Für die Einsatzkräfte ist es möglich, in einer brennbaren Atmosphäre zu arbeiten vorausgesetzt, es gibt keine Gelegenheit, dass sich die Verhältnisse im Brandraum verändern oder Frischluft eintreten kann, während die Einsatzkräfte sich im Brandraum befinden. Es schwer, diese Bedingungen einzuhalten - ein Fenster könnte zerspringen oder jemand öffnet versehentlich eine andere Tür zum Brandraum. Die viel sichere Methode ist, die brennbaren Gase aus dem Brandraum zu entfernen - durch
Belüftung.
Es ist wichtig zu erkennen, dass Belüftungsmaßnahmen Frischluft in den Brandraum fördern. Es ist also möglich, dass ein Backdraft während der Belüftungsmaßnahmen entsteht. Also müssen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden.
Wurde entschieden, dass ein Brandraum belüftet werden muss, und wurde die Belüftungsmethode vom Einsatzleiter festgelegt, sind folgende Dinge zu veranlassen:
- Vor dem Beginn der Belüftung muss Wasser am Strahlrohr sein
- Einsatzkräfte müssen sich am Boden befinden und abseits der zu erwartenden Flammenrichtung, falls ein Backdraft entstehen sollte
- man sollte daran denken, dass ein Backdraft mit einer Zeitverzögerung von mehreren Minuten auftreten kann und er genügend Energie aufbringen kann, um weitere Fenster im Brandraum zu zerstören.
Kein Brandraum kann als sicher angesehen werden, bevor er nicht für einige Zeit belüftet wurde. Ist der Brandraum ausreichend belüftet, können die Einsatzkräfte den Brandherd angreifen ohne dass eine weitere Gefahr eines Backdraft gegeben ist.